Ein Papageientaucher in IslandPapageientaucher unter der Mitternachtssonne in Island zu fotografieren – es ist taghell, sie sind süß und fotogen – wie schwer kann das schon sein? Nun, wie dir jeder erfahrene Wildtierfotograf sagen wird, ist es nicht so einfach, Vögel zu fotografieren! Das gilt auch für Island, wo dich die Elemente an der Küste sogar im Sommer ganz schön durchschütteln können. Wie findet man diese extrem putzigen Vögel, wie nähert man sich und hält ihre Persönlichkeit mit der Kamera fest, ohne sich zu verletzen? Lies weiter, dann erfährst du es!



Inhalt:


Welche Objektive eignen sich am besten, um Papageientaucher zu fotografieren?

In der Papageientaucher-Fotografie ist es besonders wichtig, sich unbemerkt anzupirschen und die Vögel nicht zu stören oder zu verjagen. Darum ist ein langes Objektiv – wie ein Teleobjektiv – das perfekte Werkzeug, um Papageientaucher erfolgreich zu fotografieren, ohne sie zu beunruhigen.

Ein Objektiv mit einer Brennweite von 70-200mm oder 300mm ist absolut in Ordnung. Wenn du noch einen Schritt weitergehen willst, kannst du natürlich in ein Objektiv mit 400mm oder 600mm Brrennweite investieren – je nachdem, wieviel Abstand du halten und wie weit du heranzoomen willst!

Neben einem langen Objektiv solltest du berücksichtigen, dass es beim Fotografieren von Papageientaucher immer das Ziel ist, ein scharfes und detailreiches Foto zu bekommen, während der Hintergrund weich und unscharf sein soll. Das erreichst du mit einer kurzen Belichtungszeit und einem niedrigen ISO-Wert. Wenn du ein Objektiv auswählst, sollte deine Entscheidung auf eines fallen, das eine Blendenzahl zwischen f/1.4 und f/2.8 hat.



Wie halte ich die Kamera stabil?

Wenn du ein Teleobjektiv mit einer Brennweite von 200mm bis 600mm benutzt, dann ist ein gutes Stativ unverzichtbar, denn ein so schweres Objektiv kann man kaum stabil halten.

Mit einem Stativ kannst du unverwackelte und scharfe Fotos machen. Außerdem kannst du damit eine längere Belichtungszeit einstellen und mit einer niedrigeren ISO-Zahl Bildrauschen reduzieren. Ein unscharfes Foto von einem Papageientaucher hat nicht viel Schönes! Bildrauschen kann man in der Nachbearbeitung noch behandeln, aber Details, die nicht vorhanden sind, kann man später auch nicht retten. Also müssen deine Einstellungen von Anfang an richtig sein.

Papageientaucher in IslandMit einem Stativ und einem Teleobjektiv erhältst du scharfe Fotos. Fotocredit: 'Iurie Belegurschi'.



Kameraeinstellungen für die Papageientaucher-Fotografie

Belichtungszeit

Papageientaucher sind kleine Vögel, die sich sehr schnell bewegen können. Um sie bestmöglich zu fotografieren, musst du eine kurze Belichtungszeit einstellen, besonders, wenn du sie im Flug einfangen willst!

Wenn du den Effekt der Bewegung festhalten willst, kannst du eine etwas längere Belichtungszeit nehmen, sodass die Flügel des Papageientauchers leicht verwischen. Wenn du die Bewegung einfrieren willst, dann stelle die Belichtungszeit auf einen Wert zwischen 1/1000 und 1/1600. Manchmal kann eine etwas längere Belichtungszeit funktionieren; das kommt darauf an, wie schnell der Papageientaucher sich bewegt oder fliegt.

Für Papageientaucher, die einfach nur in der Landschaft sitzen und sich nicht bewegen, kannst du eine längere Belichtungszeit einstellen. Bei 1/250 bis 1/800 bleiben sie scharf!

Tiefenschärfe

Wenn man Papageientaucher fotografiert, dann will man den ganzen Vogel möglichst detailreich abbilden und nicht nur ein Auge scharfstellen, während der Rest undeutlich ist. Statt einer weit geöffneten Blende von f/1.4 solltest du es darum mit f/8 und einer höheren ISO-Zahl versuchen, denn dann ist ein größerer Teil des Papageientauchers scharf und auch andere wichtige Teile verschwimmen nicht.

Papageientaucher in IslandDer Bokeh-Effekt mit einem Papageientaucher. Fotocredit: 'Iurie Belegurschi'.

Für einen schönen, sauberen Hintergrund oder um hinter dem Papageientaucher einen zauberhaften Bokeh-Effekt zu kreieren, musst du den Vogel vom Hintergrund isolieren. Das ist gar nicht so einfach, denn der Papageientaucher lässt es vielleicht nicht zu, dass du lange um ihn herumläufst und dein Foto planst. Stattdessen läuft er vielleicht selbst herum!

Zunächst musst du darauf achten, dass eine gewisse Entfernung zwischen dem Papageientaucher und irgendwelchen Objekten hinter ihm wie zum Beispiel einer Felswand, Steinen, Gras oder sogar Blumen liegt. Je größer die Entfernung, desto unschärfer wird der Hintergrund. Auch die Entfernung zwischen dir und dem Papageientaucher ist von Bedeutung und auch hier gilt: je größer die Entfernung, desto besser wird der Hintergrund aussehen!

Du kannst auch versuchen, dich auf den Boden zu legen. Dadurch hast du selbst besseren Halt und kannst dich deinem Motiv besser nähern und es gleichzeitig isolieren. Achte auch auf den Hintergrund, damit keine unerwünschten Objekte im Bild sind und zum Beispiel der Flügel eines anderen Papageientauchers aus dem Kopf deines Hauptdarstellers ragt oder irgendetwas anderes von ihm ablenkt und die Komposition stört.



RAW oder JPEG?

Damit du genug Farbinformationen und andere Details für die Nachbearbeitung hast, solltest du deine Fotos von den Papageientauchern unbedingt im RAW-Format machen und nicht als JPEG. Dann musst du dir auch nicht so viele Gedanken über den Weißabgleich machen, denn den kannst du später in der Nachbearbeitung richten.

Das einzige Problem, wenn du als RAW fotografierst, ist, dass sich deine Speicherkarte schneller füllt, weil die Dateien größer sind, insbesondere, wenn du im Burst-Modus fotografierst, wodurch die Bildrate auf nur ein bis zwei Bilder pro Sekunde fällt. Darum solltest du darauf achten, dass du eine schnelle Speicherkarte benutzt, damit du keinen Bilderstau bekommst.



Wie fotografiere ich Papageientaucher unter der Mitternachtssonne?

Man könnte denken, dass es bei dem vielen Licht ganz einfach ist, Papageientaucher zu fotografieren, besonders wenn das Licht so schön und golden ist. Aber wenn man nicht weiß, was man tut, dann wird man auch keine optimalen Fotos von diesen bezaubernden Tieren unter dem speziellen Licht der Mitternachtssonne machen!

Wenn du denkst, dass deine Einstellungen passen, mach zuerst ein einzelnes Foto, um ganz sicherzugehen, dass das Ergebnis scharf und perfekt belichtet ist. Wenn du zufrieden bist, dann fotografiere immer gleich fünf bis zehn Fotos auf einmal, besonders, falls der Papageientaucher sich bewegt. Am Ende hast du vielleicht Hunderte oder sogar Tausende von Fotos und irgendwo dazwischen dieses eine spektakuläre, detailreiche Foto von einem Papageientaucher unter der Mitternachtssonne, auf das du gewartet hast.

Papageientaucher in IslandPapageientaucher bewegen sich manchmal sehr schnell, besonders wenn sie in einer Gruppe sind! Fotocredit: 'Iurie Belegurschi'.

Da die Sonne warm leuchtet, behältst du sie beim Fotografieren am besten im Rücken. Manchmal ist es okay, wenn sie etwas zu deiner Rechten oder deiner Linken ist, aber wenn du mit dem Rücken zur Sonne stehst, bekommst du das beste Licht, um die Papageientaucher zu fotografieren.

Du hast zwar fast 24 Stunden Tageslicht zur Verfügung, versuche aber trotzdem am besten, während der „goldenen Stunden” zu fotografieren, die um Mitternacht und in den frühen Morgenstunden liegen. Du wirst schnell selbst feststellen, dass dieses Zeitfenster die besten Bedingungen bietet, um Papageientaucher zu fotografieren – zum einen, weil weniger Leute unterwegs sind (die sind nämlich alle im Bett) und zweitens, weil die Papageientaucher aktiv sind und nach Futter suchen.

Bei bedecktem Himmel solltest du nicht versuchen, Papageientaucher im Flug zu fotografieren. Da das Federkleid der Tiere schwarz-weiß ist, sehen sie bei einem weißen oder grauen Hintergrund nicht sehr gut aus.



Wie kann ich die Persönlichkeit der Papageientaucher festhalten?

Um die kleine (in manchen Fällen auch riesige) Persönlichkeit eines Papageientauchers festzuhalten, musst du geduldig sein und abwarten, bis er sich ganz normal verhält. Bilder, auf denen Papageientaucher einfach nur dasitzen und nichts tun, können langweilig sein. Versuche daher, sie in Aktion zu erwischen. Manchmal stehen sie in Grüppchen zusammen oder haben einen fast unnahbaren Gesichtsausdruck. Experimentiere mit deiner Kamera und arbeite an deiner Technik, fotografiere sie in unterschiedlichen Positionen wie zum Beispiel in ihren Nestern auf den Klippen, im Flug oder im Landeanflug.

Papageientaucher in IslandPapageientaucher sind putzige Zeitgenossen. Fotocredit: 'Iurie Belegurschi'.

Wir Menschen schauen immer zuerst auf das Gesicht. Wenn du Papageientaucher fotografierst, ist es daher immer am besten, wenn du auf das Auge fokussierst, das deiner Linse am nächsten ist. Wenn du einen Papageientaucher im Flug fotografieren willst, stellst du die Kamera am besten auf Autofokus und richtest sie auf den Kopf oder die Brust. Dadurch wird der vordere Teil des Körpers ausreichend scharf, so dass sich das Auge des Betrachters darauf ausruhen kann.



Wo finde ich Papageientaucher in Island?

Deine Kamera ist also bereit. Jetzt musst du nur noch Papageientaucher finden, die du fotografieren kannst. Wo also halten sich Papageientaucher in Island auf?

Island beherbergt die größte Papageientaucher-Kolonie der Welt. Über sechs Millionen dieser süßen, tollpatschigen Vögel kehren jeden Sommer zum Nisten nach Island zurück. Sie nisten an demselben Ort, wo sie geboren wurden und nur dort, wo sich auch andere Papageientaucher niedergelassen haben. Wenn du also einen gefunden hast, wirst du bald hunderte weitere sehen!

Die Nistperiode in Island dauert den ganzen Sommer – von Juni bis September. Es gibt einige Orte entlang der Küste, wo sie in riesigen Kolonien nisten. Einer dieser Orte ist Dyrhólaey, eine Landzunge am südlichsten Punkt Islands. Mit ihrem dramatischen und außergewöhnlichen Felsbogen aus Basaltgestein ist es eine faszinierende Region, in der man die Papageientaucher zu Tausenden antreffen und fotografieren kann.

Ein weiterer spektakulärer Ort, um Papageientaucher zu fotografieren, sind die Vogelfelsen von Látrabjarg in den Westfjorden, der westlichste Punkt nicht nur von Island, sondern ganz Europa. Hier gibt es viele Wanderwege am Rand der Klippen, wo du den Papageientauchern ganz nah kommen kannst, wenn sie brüten und auf der Suche nach Nahrung aufs Meer fliegen.



Wie nähere ich mich Papageientauchern?

Wenn Papageientaucher brüten, kann man sie oft sehr leicht beobachten und sich ihnen nähern; manchmal sogar nah genug, um sie berühren zu können. Da sie so wenig Angst vor dem Menschen haben, ist es deine Aufgabe, die Papageientaucher zu respektieren und sie nicht zu gefährden.

Damit die Papageientaucher die Fotosession genauso genießen wie du, solltest du dich ihnen stets langsam und leise nähern. Wenn du an einer Klippe bist, musst du unbedingt die Sicherheitsmarkierungen beachten und nicht zu nah an den Rand gehen. Das liegt daran, dass Papageientaucher ihre Bruthöhlen in die Felswand graben und wenn du zu nah herankommst, dann könnten die Höhlen einbrechen.

Papageientaucher in IslandPapageientaucher nisten in Island. Fotocredit: 'Iurie Belegurschi'.

Dass du Papageientaucher nicht anfassen solltest, außer einer ist verletzt und braucht Hilfe, das versteht sich von selbst. Auch füttern solltest du sie nicht, denn die Tiere sind sehr gut in der Lage, sich selbst zu versorgen. Wenn sich ein Papageientaucher von dir wegbewegt, dann hat er wahrscheinlich Angst. Darum solltest du dich ihm nicht weiter nähern. Auch wenn man sie direkt anschaut, werden sie nervös.

Jeder Papageientaucher hat unterschiedlich viel oder wenig Angst vor dem Menschen. Der Schlüssel zu guten Fotos ist, dass die Papageientaucher sich sicher fühlen und entspannt sind. Die Zauberwörter sind Geduld und Respekt. Wenn du einen Papageientaucher störst, kann das die ganze Kolonie beunruhigen und wenn einer in Panik davonfliegt, werden andere ihm folgen. Wenn du auf die Papageientaucher Rücksicht nimmst, kannst du ein paar richtig schöne Fotos mit nach Hause nehmen.

Viel Erfolg und hab Spaß beim Fotografieren der Papageientaucher in Island im Licht der Mitternachtssonne!


Bist du bereit, die Papageientaucher in Island zu fotografieren? Dann komm mit auf unsere 11-tägige Fotoreise unter der Mitternachtssonne in den Westfjorden und verbessere damit deine Chancen, diese hübschen Vögel mit deiner Kamera festzuhalten!